Oberndorf
in Tirol
   
 

Der Knappenplatz

Zwischen Kirche, Dorfwirt und unserem Gemeindeamt befindet sich der Knappenplatz, den wir im Jahr 2020 neu gestaltet haben. Seine drei Symbole verkörpern die bergbauliche Geschichte Oberndorfs: Unter einem Kirschbaum soll einer Sage nach 1539 vom Erzvorkommen am Rerobichl geträumt worden sein. Wenige Jahre später entwickelte sich Oberndorf zu einem europäischen Zentrum des Erzabbaus mit den damals tiefsten Schächten weltweit, an die die Messingplatten an der Holzbank erinnern. Der zentrale Bronzebrunnen dient nicht nur als Wasserspender, sondern setzt dieser bedeutsamen Epoche ein Denkmal.  

Der Kirschbaum 

Legenden zufolge begann Oberndorfs beeindruckende Geschichte vom Erzabbau unter einem Kirschbaum wie diesem hier. Drei Männer, Michael Rainer, Christian Gasteiger und Georg Brugger, waren im Jahr 1539 auf dem Nachhauseweg von einem Kirchenweihfest. Betrunken und müde wurden die drei im Gebiet des Rerobichl – ganz in der Nähe der Knappenkapelle – schließlich von der Dunkelheit eingeholt. Weil der Wald dicht und dunkel und ihre Sinne betäubt waren, suchten sie eine Ruhestatt. Die Ansprüche waren gering und so fiel die Wahl auf den weichen Moosboden unter einem Kirschbaum. Bis zu diesem Punkt eine Geschichte wie viele andere.  

Doch als die Männer in der Früh wieder aufwachten, haben sie etwas ganz Besonderes festgestellt: Jeder der Drei träumte, er würde auf einem großen Schatz liegen. So eine mysteriöse Begebenheit könnte doch kein Zufall sein, oder? Voller Neugier fingen Michael Rainer, Christian Gasteiger und Georg Brugger an, den Boden unter ihnen aufzugraben. Es dauerte nicht lange, bis sie tatsächlich auf silbrig-funkelndes Erz gestoßen sind und Oberndorfs Bergbaugeschichte – langsam – ins Rollen kam.  

Kirschbaum

Solche Geschichten über Schlafende und einen Traum vom Schatz – die sogenannte Fundsage – finden sich in der Tradition des Bergbaus immer wieder. Die Idee von drei Männern und einem Traum unter einem Baum ist auch viel charmanter als die Wirklichkeit. Viel wahrscheinlicher ist nämlich, dass das Erz am Rerobichl entweder zufällig oder beim systematischen Absuchen durch erfahrene Bergleute entdeckt worden ist. 

Belegt ist, dass einer der drei Träumer, Michael Rainer, am 25. August 1540 – ein Jahr nach dem sagenumwobenen Geschehnis unter dem Kirschbaum – die Erlaubnis erhalten hat, am Rerobichl nach Erz zu schürfen. Am 29. September des gleichen Jahres wurde ihm eine Grube verliehen, der St.-Michael-Fundschacht, rund 200 Meter westlich der Knappenkapelle. Binnen kurzer Zeit sprach sich herum, dass im Boden Oberndorfs Erz zu finden ist, und Glücksritter aus nah und fern sicherten sich hier bergmännische Rechte. Rund um den Fundschacht von Michael Rainer entstanden in wenigen Monaten 600 Schächte, in denen in mühevoller Handarbeit gearbeitet worden ist. Bis zum bergbaulichen Höhepunkt, musste aber noch einige Zeit vergehen.

Karte Bergbau am Rerobichl

 

Die Bank

Mit ihrer gezackten Rückenlehne verschmilzt die große Holzbank mit dem im Hintergrund aufsteigenden Wilden Kaiser, die geschwungene Form ist den sanften Hügeln des Bichlach nachempfunden. Das mächtige Möbel aus dem Architekturbüro Kleboth & Dollnig setzt aber nicht nur der wunderschönen Umgebung auf abstrakte Weise ein Denkmal, sondern erinnert zusammen mit dem Kirschbaum und dem Brunnen an Oberndorfs große Bergbau-Vergangenheit. Wie Erzadern ziehen sich Messingstreifen über die Rückwand und gehen in den Boden über. Sie verkörpern die sechs wichtigsten Richtschächte aus der Zeit, als Oberdorf noch eines der europäischen Zentren für Erzabbau war.

Als am 25. August 1540 das erste Schürfrecht am Rerobichl für den St. Michael-Fundschacht erteilt worden ist, konnte noch niemand ahnen, wie tief die Schächte binnen weniger Jahre in den Boden reichen werden.

Darstellung der Schächte

Erste Funde von Erz lösten einen wahren Sturm von bergbaulustigen Leuten aus, die nach Reichtum strebten. Binnen kurzer Zeit zählte man hier rund 600 Schächte. Eine Bergwerksordnung für den Rerobichl grenzte den Erzabbau darauf ein – zu chaotisch und gefährlich waren die Bedingungen. 

Man konzentrierte sich daraufhin auf wenige Richtschächte, die Jahr für Jahr tiefer in den Boden vorangetrieben wurden. Der tiefste von ihnen war der Heilig-Geist-Schacht, der im Jahr 1618 ganze 886 Meter in den Boden reichte und somit sogar den Meeresspiegel um 140 Meter unterschritt. Er war damit der tiefste Schacht weltweit. Auch die anderen Richtschächte hatten beeindruckende Ausmaße: So drangen unter anderem der St. Daniel-Rosen-Schacht 845 Meter und der Gesellenbauschacht sowie der St. Michael-Fundschacht (der allererste Schacht am Rerobichl) 740 Meter in die Erde vor. 

Karte der Schächte am Rerobichl

Bis zur endgültigen Auflassung des Bergbaus in Oberdorf im Jahre 1774 waren mehrere dieser Richtschächte in Betrieb. Während der rund 230 Jahre, in denen am Rerobichl Erz gefördert wurde, konnten insgesamt 100 Tonnen Silber und 20.000 Tonnen Kupfer – beide werden aus Erz erzeugt – gewonnen werden. Zum Schluss hat der Ertrag den Aufwand aber nicht mehr gedeckt. 

Ohne Elektrizität und andere technische Hilfsmittel war der Bergbau damals lebensgefährliche Schwerstarbeit. In der Blütezeit um das Jahr 1700 arbeiteten rund 1500 Knappen am Rerobichl. Zwischen 14 und 18 Stunden verbrachten sie anfangs täglich in den Stollen, nach Protesten der Bergleute wurde die Arbeitszeit auf sechs Stunden verringert.

 

 
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